Das Wetter in geschlossenen Räumen: Presseheft (Auszüge)

 
Presseheft: Inhalt
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Ein Film von Isabelle Stever

Deutschland 2015

KINOSTART: 28.01.2016
Laufzeit: 100 Minuten

Verleih:
Movienet Film
Rosenheimerstr. 52
81669 München
Tel: 089-489530-51
Fax: 089-489530-56

info@movienetfilm.de

Pressekontakt:
Cinemaids
Kidlerstraße 4
81371 München
Tel.: 089/44 23 98 11/12
Fax: 089/44 23 98 13
info@cinemaids.de
www.cinemaids.de

 

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Besetzung

Dorothea

  Maria Furtwänger
Alec
  Mehmet Sözer
Aurelie
 

Anne von Keller

Britischer Botschafter
 

Jim Broadbent

Salma
  Dorka Gryllus
Samir
  Christoph Rath
Journalist
  Micael A. Grimm
Ralph
  Louis Friedemann Thiele
Junge Ärztin
  Maelle Giovanetti
  u.v.a.

Stab

Buch & Regie

  Isabelle Stever
Produktion
  Sutor Kolonko
Produzent
 

Ingmar Trost

Koproduzenten
 

Jörg Schulze

  Frank Evers
  Helge Neubronner
  Heino Deckert
Bildgestaltung
  Philipp Kaminiak
Szenenbild
  Alexander Scherer
Montage
  Oliver Neumann
  Isabelle Stever
Dramaturgie
  Harun Farocki
Origialton
  Klaus Oesterwind
Kostümbild
  Ute Pfaffendorf
Maskenbild
  Jeanette-Nicole Latzelsberger
Regieassistenz
  Annette Drees
Produktionsleiter
  Stefan Müller
1. Aufnahmeleiter
  Frank Runge
Oberbeleuchter
  Jürgen Tomadini
Sounddesign
  Noemi Hempel
Mischung
  Martin Steyer
Musik
  Yoyo Röhm
Casting
  Susanne Ritter
  Rita Waszilovics
  Ulrike Müller
Redaktion   Andrea Hanke, WDR
  Barbara Buhl, WDR
  Cornelia Ackers, BR
  Christian Granderath, NDR

Das Wetter in geschlossenen Räumen ist eine Produktion von Sutor Kolonko,in Koproduktion mit cineplus Filmproduktion, Ma.ia.de., WDR, BR und NDR.
Gefördert durch Film- und Medienstiftung NRW, BKM, MDM und MEDIA.

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Kurzinhalt / Inhalt

Kurzinhalt
In einem von Panzern umstellten Luxushotel im arabischen Krisengebiet ist die deutsche Entwicklungshelferin Dorothea dabei, Hilfsprojekte zu organisieren und die dafür nötigen Spenden einzuwerben: mit Charity-Empfängen, auf denen sie die Botschafter der reichen Länder bei Laune hält. Dorothea ist darin erfolgreich – auch aufgrund des Alkoholkonsums, mit dem sie ihre Partytauglichkeit aufrechterhält. Sie beginnt eine Affäre mit dem jungen Drifter Alec, der sich von ihr ausstatten und aushalten lässt, doch was ihr zunächst wie ein willkommener Zeitvertreib erscheint, führt schließlich zum Kontrollverlust.

Inhalt
In einem von Panzern umstellten Luxushotel im arabischen Krisengebiet wartet die deutsche Entwicklungshelferin Dorothea (Maria Furtwängler) auf das Ende des Krieges im Nachbarland. Als Freelancerin organisiert sie ein Hilfsprojekt, bei dem ein Londoner College Stipendien für Flüchtlingsmädchen vergibt, und wirbt die dafür nötigen Spenden ein: mit Charity-Empfängen, auf denen sie die Botschafter der reichen Länder bei Laune hält. Dorothea ist darin erfolgreich – auch aufgrund des Alkoholkonsums, mit dem sie ihre Partytauglichkeit aufrechterhält. Auf einem dieser Empfänge begegnet sie dem jungen Drifter Alec (Mehmet Sözer), der sich von ihr ausstatten und aushalten lässt. Doch was ihr zunächst wie ein willkommener Zeitvertreib erscheint, wird zum Problem, als Dorotheas Projekt ins Stocken gerät. Die Flüchtlingszelte an der geschlossenen Grenze sind leer, es findet sich nur ein Mädchen für das Stipendium, und auch das ist plötzlich verschwunden. Als Dorotheas Chefin Aurelie (Anne von Keller) auftaucht und die Verlängerung ihres Arbeitsvertrages in Frage stellt, beginnt Dorothea sich an Alecs ‚parasitärer’ Lebensweise zu stören. Berufliches und Privates vermischen sich mehr und mehr, was schließlich zum Kontrollverlust führt.

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Notiz der Regisseurin

Eine Gruppe aus Helfern, Kriegsjournalisten, Politikern und PR-Managern, die sich immer wieder in den Lounges internationaler Hotels begegnet, sich mit Drogen betäubt und wilde Partys feiert. Dieses Szenario beschrieb mir eine Entwicklungshelferin. Menschen, deren Geschäft die Armut ist, deren Networking, Rivalitäten und Strategien der Verführung vor dem Hintergrund der Not in Krisengebieten stattfinden.

In mir verband sich die Umkehrung des Erwartbaren, die Abhängigkeit der Helfer von der Not, mit der Geschichte einer Zweckgemeinschaft, in der sich die Abhängigkeit ebenfalls mehrfach verkehrt: Die unmögliche Liebesgeschichte von Dorothea und ihrem jungen Liebhaber Alec.

Entstanden ist ein Blick auf eine abgeschottete Parallelwelt, die immer größere Schwierigkeiten hat, ihre Existenz zu legitimieren. Eine Welt des Glanzes und der Pracht, zu der auch der Anspruch gehört, andere in die eigene Lebenswelt zu holen. Doch das gelingt Dorothea nur noch unter einem immer höheren Einsatz, denn das mit einem Stipendium ausgestattete Flüchtlingsmädchen macht sich während der Ausreise buchstäblich selbstständig.

Am Schluss verlässt Dorothea ihre Blase. Da ist sie aber auch selbst schon verlassen von dem, woran sie krampfhaft versucht hat festzuhalten: ihre Welt der klaren Ordnung, ihre Vorstellung von Liebe, ihr Begriff von Schönheit, ihr unbedingtes Recht auf Wohlstand und Vergnügen, ihre Jugend.

In meinem Film möchte ich Fragen stellen über Machtverhältnisse, darüber, wie sich das Berufliche in das Private schleicht, darüber, wie wir uns immer und wieder abschotten von denen, auf deren Elend unser Reichtum basiert. Darüber, wie wir versuchen diesen unser Weltbild aufzuoktroyieren. Darüber, wie wir leben.

Der Film ergänzt aus einem ungewohnten Blickwinkel die aktuelle Diskussion. Europa macht seine Grenzen dicht. Vor ein paar Jahren wäre dies als ein Science-Fiction-Szenario erschienen.

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Fragen an Isabelle Stever

Wie kamen Sie auf Maria Furtwängler für die Rolle der Dorothea?

DAS WETTER IN GESCHLOSSENEN RÄUMEN ist kein gefälliger Film, und Dorothea ist eine unübliche Frauenfigur. Eine willensstarke Frau, die Macht ausübt, die Kontrolle über ihre Umgebung sucht, die sich nimmt, was sie will. Und trotzdem ist sie auch verletzlich und in der Härte und Einsamkeit ihres Metiers voller Sehnsucht. In Maria Furtwänglers Darstellung verbinden sich diese widersprüchlichen Eigenschaften auf sehenswerte Weise.

Wie ist die Wahl auf Mehmet Sözer gefallen, der meines Wissens ein unbeschriebenes Blatt ist?


Ich musste lange suchen, um einen 22-Jährigen Schauspieler zu finden, der als jungenhaft verspielter Alec Maria Furtwänglers Dorothea gewachsen ist, damit der Konflikt der beiden Protagonisten ebenbürtig ausgetragen werden kann. In Mehmet Sözers Alec lebt ein Geheimnis, das Dorothea nicht ergründen kann.

Gab es ein reales Vorbild für die Rolle der Dorothea?

2006 lernte ich eine Frau kennen, die für eine große Entwicklungshilfeorganisation arbeitete und die von sich sagte, dass sie ihre Kleidung nur bei Prada und Gucci kauft. Sie schmiss mit Geld nur so um sich: Sie hat ein Taxi genommen, nur um über die Straße zu kommen, und spontan größere Gruppen zum Essen eingeladen. Diese Frau passte nicht in mein Bild von einer Entwicklungshelferin. Es war mir klar, dass ihr Verhalten nicht als exemplarisch für das von Mitarbeitern von Entwicklungshilfeorganisationen angesehen werden kann. Doch: Wie passt das zusammen? Ich erfuhr, wie viel sie durch die Gefahrenzulage verdiente, wie Alkoholkonsum in diesem Job Angst kompensiert und Menschen sich in Lebensgefahr mit größerer Intensität der Körperpflege widmen oder in den hoteleigenen Luxusboutiquen shoppen gehen.

Sie beschrieb mir anschaulich eine Situation während des Irakkrieges 2003. Die Grenzen zum Irak waren geschlossen. Kaum jemand konnte hinaus- oder hereinkommen. Im benachbarten Jordanien hatte sich in Amman in einem Luxushotel eine Gruppe versammelt, die sich immer wieder inmitten von Krisengebieten in den Lounges internationaler Hotels begegnet. Entwicklungshelfer, Kriegsberichterstatter und Geschäftsleute warteten darauf, dass sich die Grenzen öffnen würden, damit sie mit ihrer Arbeit beginnen könnten. Durch die Nähe des Krieges war die Stimmung zunehmend aufgeheizt, was sich in Drogenkonsum und „wildem Durcheinanderschlafen“ entlud. Sie erzählte mir von Fundraising-Cocktails in dieser Atmosphäre, auf denen die Mitarbeiter von Entwicklungshilfeorganisationen Fonds für ihre Hilfsprojekte akquirieren, und auch von Konkurrenz der Hilfsorganisationen untereinander.

In mir verband sich diese absurde Umkehrung des Erwartbaren – nämlich die Abhängigkeit der Helfer von der Not – mit der Idee zur Geschichte einer Amour fou als Zweckgemeinschaft: die unmögliche Liebesgeschichte von Dorothea und ihrem jungen Liebhaber Alec.

Für meine Recherchen fuhr ich 2007 nach Beirut. In den darauffolgenden Jahren recherchierte ich weiter, 2011 in Brüssel, 2013 wieder in Beirut, 2014 in Amman. Was sind das für Menschen, die in die Entwicklungshilfe gehen, und warum tun sie das? Sind Narzissmus und Altruismus Gegensätze? Inwieweit bilden sich durch Machtverhältnisse Abhängigkeiten? Wie vermischt sich das Berufliche mit dem Privaten? Vieles von dem, was ich hörte, fand seinen Weg in mein Drehbuch.

Der Film ist jedoch keine Fallstudie zum Thema Entwicklungshilfe, sondern eine künstlerische Auseinandersetzung mit einem Aspekt davon.
Der Film stellt Fragen, zu denen ich keine Antworten weiß. Er zeichnet ein Bild von einer Gruppe von Menschen, die abgeschottet existieren, und deren Reichtum auf der Not von anderen basiert.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit Harun Farocki als Dramaturg?

Ich bin dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte und dass Harun Farocki meine Bitte annahm, das Projekt als Dramaturg zu unterstützen. Er hat es jahrelang begleitet. Er hat mir Fragen gestellt, Bücher empfohlen und die raffinierte Verwicklung der Handlung im Kern erdacht und angeschoben. Von ihm kommt auch die Figur der Chefin. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass dieser Film narrativer geworden ist als die bisherigen.

Wie unterscheidet sich der neue Film von Ihren bisherigen Arbeiten?

Ich interessiere mich für unangepasste, unkorrumpierbare Frauenfiguren, die Kraft aufbringen müssen, um ihr Leben zu meistern, ohne sich zu verraten. Im neuen Film steht dieser Kampf härter als bisher im Vordergrund. Die Protagonistin ist widersprüchlicher in ihrer Integrität.

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