Was hat uns bloß so ruiniert: Presseheft (Auszüge)

 
Presseheft: Inhalt
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Ein Film von Marie Kreutzer

Österreich 2016

KINOSTART: 09.02.2017
Laufzeit: 100 Minuten

Verleih:
Movienet Film
Rosenheimerstr. 52
81669 München
Tel: 089-489530-51
Fax: 089-489530-56

info@movienetfilm.de

Pressekontakt:
Amélie Linder /
Panorama Entertainment
Tel.: +49 89 30906790
E-Mail:
amelie.linder@panorama-entertainment.com

 

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Besetzung

Stella

  Vicky Krieps
Markus
  Marcel Mohab
Ines
 

Pia Herzegger

Chris
 

Manuel Rubey

Mignon
  Pheline Roggan
Luis
  Andreas Kiendl

Stab

Drehbuch & Regie

  Marie Kreutzer
Kamera
  Leena Koppe
Szenenbild
  Martin Reiter
Schnitt
  Ulrike Kofler
Kostüm
  Monika Buttinger
Maske
  Sam Dopona
Ton
  Odo Grötschnig
Casting
  Rita Waszilovics
Produktionsleitung
  Igor Orovac
Producerin
  Johanna Scherz
Produzenten
  Franz Novotny
  Alexander Glehr
Koproduzenten
  Ursula Wolschlager
  Robert Buschwenter

Was hat uns bloß so ruiniert ist eine Produktion der Novotny & Novotny Filmproduktionen, koproduziert von Witcraft Szenario, mit Unterstützung von Österreichisches Filminstitut, FISA _ Filmstandort Austria, in Zusammenarbeit mot ORT Film-/Fernsehabkommen.

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Kurzinhalt & Pressenotiz

Kurzinhalt
Mitte 30, erfolgreich, cool – drei befreundete Paare haben es sich in einem Szeneviertel Wiens gemütlich gemacht und leben selbstvergessen den Traum der bourgeoisen Boheme, kurz "Bobo": Gleichermaßen idealistisch wie materialistisch züchten sie Tomaten auf dem Balkon, trinken lokal gerösteten Kaffee, teure Cocktails und würden sich nie ein elektronisches Gerät zulegen, auf dem nicht ein angebissener Apfel abgebildet ist. Und sie sind sicher, ihr Kinderwunsch macht sie nicht zu Spießern. Mit den neuesten Erkenntnissen zu frühkindlicher Förderung im Mutterleib, weichen- stellenden Tipps aus Kinder- und Ernährungsratgebern und dem Smartphone in Griffnähe stellen sich die Paare ihrer neuen Lebensaufgabe, die natürlich zum bisherigen, lässigen und reflektierten Lebensstil passen soll. In der Realität jedoch ist das hippe, unbeschwerte Leben bald schlagartig vorbei.

Pressenotiz
Zwischen Karriere, Kinderwagen und Aussteigerträumen – Vicky Krieps, Marcel Mohab, Pia Hierzegger, Manuel Rubey, Pheline Roggan und Andreas Kiendl glänzen in der amüsante
Gesellschaftskomödie über die Herausforderungen werdender Eltern. Regisseurin Marie Kreutzer (Gruber geht, Die Vaterlosen) stürzt drei unkonventionelle und zugleich angepasste Pärchen amüsiert in die neue Welt der Kindeserziehung und die Tücken des Eltern-Werdens. WAS HAT UNS BLOSS SO RUINIERT ist ein witziges und berührendes Porträt einer Generation und eines Milieus, das so typisch ist für die Großstädte unserer Zeit.

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Inhalt

„Warst du nicht fett und rosig? Warst du nicht glücklich? Bis auf die Beschwerlichkeiten. Mit den anderen Kindern streiten, mit Papa und Mama“ – Frank Spilkers Band "Die Sterne" stellt zu Beginn von Marie Kreutzers drittem Spielfilm die Frage, die sie seit 1996 besingt: „Was hat dich bloß so ruiniert?“

Auch Marie Kreutzer will das wissen, allerdings tauscht sie das Pronomen aus, es geht längst nicht mehr nur um eine/n: Aus „dich“ wird „uns“, und schon sitzen wir mit drei mitteljungen Paaren um den Esstisch – Menschen, denen es gut geht, Menschen, für die der Begriff „Bobo“ quasi erfunden wurde und die gerade lässig und beglückt über den Ton fachsimpeln, den die frisch in den Altbautraum eingezogene Profitec-Kaffeemaschine bei der Arbeit fabriziert. Die Produktwelt, besonders gerne die mit Apple-Logo, sorgt für überschäumende Serotonin-Ausschüttung und viele Superlative. Als Stella (Vicky Krieps) und Markus (Marcel Mohab) beim Öffnen einer Flasche Sprudel eine frohe Botschaft verkünden, kann das mit der Kaffeemaschine nicht mithalten: Es wird fast beleidigend wenig gratuliert und vielmehr übers Kinderkriegen diskutiert. Die anderen überlegen mitzuziehen. Nur Luis (Andreas Kiendl) versteht erst wieder als Letzter, was los ist. Zeitverzögert will er verifiziert haben: „Kriegst du a Kind?“

Unversehens erleben alle drei Paare das Alltäglichste der Welt, das jeder trotzdem für eine individuelle Grenzerfahrung hält – natürlich! Es gleicht eben trotzdem einem Wunder, wenn ein neuer Mensch auf diesem Planeten landet. Und sie sind sicher: Nichts kann sie spießig machen. Im Gegenteil: Stella will die Welt in Staunen versetzen durch ihre Coolness und ihre Liebe und die Makellosigkeit ihres Bindegewebes.

Die weich gezeichneten Bilder und der visionäre Voice- Over werden aber schon bald durch die Realität eingeholt: Wie laut darf man im Geburtsvorbereitungskurs beim „Wellentanz“ lachen? Fühlt sich die Geburt wirklich so an, als würde man einen Ziegelstein kacken? Darf man sie sich durch eine PDA weniger schmerzfrei gestalten, wenn doch sonst alles bio ist? Wieso verkommt der eigene, gerade wundervolle Taten vollbringende Körper plötzlich zum Objekt basisdemokratischer Entscheidungen, zu dem jeder sein Bäuerchen abgeben darf? Wieso sind alle anderen viel routinierter beim Aufklappen von Kinderwägen? („Hätten wir halt den Bugaboo gekauft – wie alle anderen!“) Lebt es sich windelfrei besser? Wie viel ist man bereit für Fair-Trade-Kinderkleidung auszugeben, die sich vielleicht drei Wochen lang gut auf Fotos macht, ehe die nächste Größe ansteht? Sind Ratschläge unhinterfragt richtig, wenn man davon in der „ZEIT“ gelesen hat? Fast am wichtigsten: Muss man nun wirklich in der Kinderkrippe mit dem schönen Namen „Kindergrupp Kartoffelsupp“ über Rosinen diskutieren? Und wie lange kann man noch behaupten, dass sich nichts ändern wird, wenn doch Lola (Livia Teppan), Elvis (Marie Strohmaier) und Aimèe (Amanda Seyfried) längst den Ton angeben?

Die Schwierigkeiten, die Überforderung, die Schönheit der Einzigartigkeit namens Kinderkriegen – all dies wird in „Was hat uns bloß so ruiniert?“ anhand dreier Neo-Familien ausgewogen und pointiert durchdekliniert. Es geht um die Einmischungen anderer und die Auflösung des bisherigen Ichs, das nun einem mütterlichen Ich gewichen ist. Es geht um die Veränderung von Alltag, Beziehung und Freundschaften, um Krisen und um neue Wertigkeiten. Es geht um das Beglückendste und das zugleich Anstrengendste. Und darum, die Wickeltaschen der Stunde – die bunte Palette der Fjällräven-Kånken-Rucksäcke – und iPads rund um Sandkisten zu zählen. Auf in den Glaubenskrieg Kindeserziehung!

Stella und Markus regeln die Aufgaben rund um Lola paarintern demokratisch. Die unfreiwillig Mutter gewordene Ines (Pia Hierzegger), laut ihrem Partner "Impfgegnerin aus Schleißigkeit", überantwortet Töchterchen Elvis viel und gerne Chris (Manuel Rubey). Und Mignon (Pheline Roggan) will bei Aimèe alles natürlich halten und richtig machen – das bedeutet etwa auch
den Verzicht auf Windeln. Luis (Andreas Kiendl) hat nicht viel mitzureden.

Die sechs Erwachsenen reflektieren immer wieder vor Stellas laufender Kamera, was die Elternschaft aus ihnen macht – der Filmakademie-Abschluss der Neo-Mama soll nicht umsonst gewesen sein. Die Antworten werden ihr nicht immer gefallen, und als ihr Partner kiffend Auskunft geben will, beginnt das Spiel, wer der bessere Elternteil ist, per Regieanweisung: "Kiffen und Baby gehen nicht zusammen", einen rauchenden Papa will niemand sehen. "Du machst dir zu viele Gedanken", heißt es dann beschwichtigend. Die Entgegnung: "Du machst dir zu wenige." Alles ist neu, alles ist anders, zumindest vorerst. Das bisherige, eben noch maßgeschneiderte Leben, das will bei manchen nicht mehr so richtig sitzen. Doch wie hieß es schon im Geburtsvorbereitungskurs? "Leben – das ist auf einer Welle surfen, die niemals ruht." Und wenn selbst Luis bemerkt, ob es sein kann, "dass alles irgendwie anders ist", haben sich die Lebensentwürfe der Freunde schon drei Mal geändert, haben sie sich schon zigfach gestritten und mitunter getrennt, haben sie Verhaltenstherapien absolviert und das eine oder andere Bio-Hirse-Bällchen gegen einen Gin Tonic getauscht. Und das unter anderem, weil man anstelle des gewünschten neuen Romans von Michel Houellebecq nun Ratgeber von Familientherapeut Jesper Juul geschenkt bekommt.

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Regiestatement

"Erst die Vorführung des Glücklichseins macht das Glücklichsein zum Glücklichsein. Und das liegt in der Perfektion: Kaffeeschaum ist nicht nur Kaffeeschaum. Es ist der qualitativ beste,
der ästhetisch tauglichste, das ultimative Symbol für einen bewusst erlebten Moment. (...) In der neuen Pärchenästhetik ist der Status quo zum Ideal geworden, den man immer weiter verfeinert. Essen, parken, wohnen. Es sind Verben einer ewigen, zirkulären Dynamik, eines romantischen Kreisverkehrs, der sich selbst genügt. Kein Transzendenzstreben steckt in dieser Autopoiesis der Zweisamkeit, keine Mission. Ein selbst gebackenes Dinkelbrot kann schließlich Projekt genug sein."

Nina Pauer in der „ZEIT“ über die "Generation Y"

"Wo fing das an? Was ist passiert / Hast du denn niemals richtig rebelliert? / Kannst du nicht richtig laufen? / Oder was lief schief? / Und sitzt die Wunde tief in deinem Innern / Kannst du dich nicht erinnern? / Bist du nicht immer noch Gott weiß wie privilegiert?"
Die Sterne, "Was hat dich bloß so ruiniert?"

Ich erinnere mich oft und gerne an die Premiere meines ersten Kinofilms auf der Berlinale (obwohl ich – by the way – schwanger war und von Übelkeit geplagt wurde). Im Saal wurde mitgelebt, geweint und – was bei der Geschichte des Films nicht auf den ersten Blick naheliegend ist – viel, viel gelacht. (Zu meiner Zufriedenheit immer an den richtigen Stellen.) Ich war auf dieses Lachen von über 1000 Menschen wahnsinnig stolz. Und es hat mich gewissermaßen süchtig nach dieser Art von Reaktion auf einen Dialog, einen Blick, einen Schnitt gemacht. Ich wollte schon damals eine Komödie machen, aber nicht um des Genres willen, sondern erst, wenn eine Geschichte zu mir kommt, zu der das passt; deswegen hat es ein wenig gedauert. Ein weiterer Grund war das Kind, das in mir heranwuchs. Obwohl ich schon fünf Monate nach der Geburt zwischen zwei Stilleinheiten schreibend im Kaffeehaus saß, entschleunigte meine Tochter meinen beruflichen Plan.

Ja, „Was hat uns bloß so ruiniert“ ist ein persönlicher Film. Ich kenne das, wovon ich hier erzähle, und die Reflexion und der Humor sind meine Möglichkeiten, damit umzugehen, wohin mein Leben sich entwickelt hat, seit ich erwachsen und Mutter in Wien bin. Ich bin ein bisschen Stella, die über sich und ihr Leben erzählen will und gleichzeitig fürchtet, dass diese Luxusprobleme niemanden interessieren werden.

Es war Teil der Entwicklung dieses Projekts herauszufinden, was an der Geschichte wichtig ist, was ich damit sagen will. Worin besteht der Ruin? Worin besteht das Versagen, wenn doch alle gesund und gut genährt sind und mit zweieinhalb auf Englisch bis zehn zählen können?

WAS HAT UNS BLOSS SO RUINIERT? zitiert den berühmten Song der deutschen Band Die Sterne – „Was hat dich bloß so ruiniert?“ –, der 1996 zur Hymne (m)einer Generation wurde. In Zeilen wie „Warst du nicht fett und rosig? Warst du nicht glücklich?“ oder „Hast du denn niemals richtig rebelliert?“ spricht die Band denen aus der Seele, die das tatsächlich nie mussten, den privilegierten Nachkommen einer Nachkriegsgeneration, denen es nie an etwas fehlte, nicht einmal an der Kooperativität und Toleranz des Elternhauses. Es gab schlichtweg kein Antibild. Und somit auch kein eigenes, originäres Ideal. Das, wenn man so will, Traurige an der Geschichte ist für mich diese verzweifelte Suche nach dem "Richtigen", dem "Guten". Man ist zu aufgeklärt, um an die dauerhafte Zweierbeziehung zu glauben, und zu rastlos, um nicht darauf zu hoffen. Man hat die höchsten Ansprüche an sich und die eigene Freiheit und Individualität und hat dabei beides in der Gruppe längst verloren. Das Elternwerden ist oft nur ein weiterer Schritt auf dem Weg der dauernden Optimierung des eigenen Lebenskonzepts, der totalen Egomanie. Auf das, was ein neuer Mensch, für den man die ganze Verantwortung trägt und den man heftiger liebt, als man es sich vorstellen konnte, kann man gar nicht gefasst sein, wenn sich alles nur um das Schönste und Richtigste dreht.

WAS HAT UNS BLOSS SO RUINIERT? soll ein witziges und berührendes Porträt einer Generation und eines Milieus sein, das so typisch für die Großstädte unserer Zeit ist. Eine Komödie, die jeden erreichen kann, ohne es darauf anzulegen, jedem zu gefallen. Der Film darf hart mit seinen Protagonisten sein, ohne sie als Figuren zu verraten, weil ich das gar nicht kann, weil ich meine Figuren immer liebe. Es waren nie die ganz breiten Komödien, die mich fasziniert haben, sondern die mit einem sehr eigenen Humor, der auch die Handschrift eines Filmemachers oder einer Filmemacherin spüren lässt. Nicht zuletzt ist es immer das Nebeneinander von Leichtigkeit und Schwere, das mich in meiner filmischen Arbeit reizt und fasziniert: Suchten Die Vaterlosen und Gruber geht das Komische im Traurigen, ist es bei WAS HAT UNS BLOSS SO RUINIERT? wohl umgekehrt. Die Komödie lebt von der Überzeichnung, und trotzdem wünsche ich mir eine Nähe zu den Figuren, die ich in meiner filmischen Arbeit immer suche, zuerst beim Schreiben, dann in der Arbeit mit den Schauspielern und auch in der Auswahl der Bilder. Ich werde sicher nicht anders arbeiten als jedes andere Mal: Ich glaube, auch die Komödie muss ihre Figuren ganz ernst nehmen (und lieben), damit das Publikum das kann. Das Übrige tun der Text und die filmische Struktur

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