Cirkus Columbia: Presseheft

 
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Ein Film von Danis Tanovic

BIH, F, GB, SLO, SRB, B 2010

KINOSTART: 20.10.2011
Laufzeit: 113 Minuten, 35 mm, 1 : 2,35, Dolby Digital

Verleih:
Movienet Film
Rosenheimerstr. 52
81669 München
Tel: 089-489 530 51
Fax: 089-489 530 56
info@movienetfilm.de

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Herzog-Wilhelm-Str. 27
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kontakt@ana-radica-presse.com
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Stab

Regie
  Danis Tanovic
Buch
  Danis Tanovic
  Ivica Dikic
Kamera
  Walther van den Ende
Produktionsdesign
  Dusan Milavec
  Hans W. Geissendoerfer
  Sanda Popovac
Schnitt
  Petar Markovic
Kostüme
  Jasna Bekric
Maske
  Tima Subic Dodocic
Produktion
  Cedomir Kolar
    Amra Baksic Camo
  Marc Bachet
  Mirsat Purivatra
Koproduktion
  Cat Villiers
  Dunja Klemenc
  Gerhard Meixner
  Roman Paul
  Marion Hänsel
  Miroslav Mogorovic



Besetzung

Divko Buntic
  Miki Manojlovic
Lucija
  Mira Furlan
Martin
  Boris Ler
Azra
  Jelena Stupljanin
Bürgermeister Ivanda
  Milan Strljic
Pivac
  Mario Knezovic

Cirkus Columbia ist eine Produktion der Asap Films (Frankreich), Autonomous (GB), Studio Maj (Slowenien),
Razor Film Production (Deutschland), Man's Films (Belgien), 2006 (Bosnien-Herzegovina), Art & Popcorn (Serbien)
gefördert von Medienbord Berlin-Brandenburg

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Kurzinhalt

Bosnien-Herzegowina 1991. Nach Jahren kommunistischer Führung wird eine neue demokratische Regierung gewählt. Gegner des alten Systems kehren in ihr Land zurück. Auch Divko Buntic nutzt die Chance und kommt nach 20 Jahren Exil in seine Heimatstadt zurück, mit einer neuen Frau, die er nach der Scheidung von seiner ersten Frau Lucija heiraten will. Zunächst lässt Divko Lucija und den gemeinsamen Sohn Martin aus dem Haus werfen, denn schließlich gehört es ihm, auch wenn er sich zwei Jahrzehnte bei seiner Familie nicht gemeldet hat.

Währenddessen fühlt sich Divkos junge Geliebte Azra zusehends unwohl in ihrem neuen Zuhause, sie weiß nicht, was sie in diesem gottverlassenen Kaff tun soll. Divko hat sich verändert. Er glaubt sich mit Geld alles kaufen zu können. Irgendwann verschwindet sein geliebter Kater Bonny, sein Glücksbringer. Nun merkt Divko, dass das Glück nicht so einfach zu halten ist und seine Macho-Fassade beginnt zu bröckeln. Auch machen die politischen Veränderungen im Land nicht vor der Kleinstadt halt...

Regisseur und Oscar-Preisträger Danis Tanovic (No man´s Land, Wie in der Hölle – L´ Enfer, Triage) kehrt in seinem vierten Film CIRKUS COLUMBIA zu seinen Wurzeln zurück. Er inszeniert seine schwarze Komödie in einer kleinen Stadt im Süden Bosnien-Herzegowinas, kurz vor Ausbruch der Balkankriege in den 90er Jahren. Mit großem Einfühlungsvermögen und einem liebevollem Augenzwinkern blickt Danis Tanovic auf seine Landsleute. Er zeichnet anhand einer Kleinstadt in Bosnien ein Bild von den Problemen der Heimkehr und dem immer schwieriger werdenden Miteinander vor dem Hintergrund sich verändernder Zeiten.

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Der Regisseur über den Film

Vorher, während, nachher
Meine Karriere beim Film hat viel mit dem Krieg und seinen Folgen zu tun. Als ich noch in der Armee war, habe ich den wirklichen Krieg im Bild festgehalten, später dann Dokumentationen darüber gedreht. Diese Erfahrungen gipfelten schließlich in „No Man’s Land“, meinem ersten Spielfilm. 2009 habe ich dann „Triage“ gedreht, der sich mit den Nachwirkungen eines Krieges befasst. Die Geschichte, die CIRKUS COLUMBIA erzählt, hört auf, als der Krieg beginnt. In mancher Hinsicht erscheinen mir diese drei Filme wie eine Trilogie: vor, während und nach dem Krieg. „No Man’s Land“ spielt während eines Konflikts, „Triage“ danach und CIRKUS COLUMBIA davor.

Ein Versuch, sich zu erinnern

Lange Zeit konnte ich mich gar nicht mehr daran erinnern, wie es vor dem Krieg war. Diese Gedächtnislücke tat sich immer auf, wenn ich mir mein Leben vor dem Krieg zurückrufen wollte. Es war, als hätte der Krieg alles überschattet, was davor existierte. Dieser Abschnitt meines Lebens, so schien es mir, war für immer entschwunden. Dann aber – vor ein paar Jahren, ohne besonderen Grund, begann ich mich plötzlich zu erinnern. Manchmal war es ein Geruch, manchmal ein bestimmtes Gesicht, manchmal auch eine Szene ohne größere Bedeutung. Ich habe versucht, diese Momente festzuhalten und mit anderen Erinnerungen zu verknüpfen. Sie schwanden aber so schnell dahin, wie sie gekomgekommen waren. Das hinterließ bei mir ein Gefühl von Einsamkeit und Enttäuschung.

Erinnerungshilfen für die Kinder des Krieges

Das Buch CIRKUS COLUMBIA war wie ein Schnellzug, der mich in die Zeit vor dem Krieg zurückbrachte. Es hat überhaupt nichts mit meinen eigenen Erfahrungen zu tun – und doch gibt es etwas in diesem Roman, das jeden in Bosnien-Herzegowina berührt. Das Buch erzählt von naiven Menschen, die einen Krieg vor ihrer Haustür nicht für möglich gehalten haben. Geschichten von Nachbarn, die einander trotz Todesgefahr geholfen haben. Geschichten von geraubter Jugend, neuen Anfängen, vom Hass, der eine Zeit lang alles unter sich zu begraben schien, aber natürlich auch von Liebe, die alle Grenzen missachtet. Ich hoffe, dass meine Filmversion anderen Kriegskindern dabei hilft, sich zu erinnern.

Leugnen ist menschlich
Mich interessiert, wie sich ganz normale Menschen im Angesicht geschichtlicher Stürme verhalten. Deshalb wollte ich diesen Film drehen. Er zeigt, wie blind sie in diesem kurzen Zeitraum zwischen Frieden und Krieg gewesen sind. Damals war es ein weitverbreiteter Irrglaube, dass der Krieg an uns vorbeigehen würde – obwohl auf jeder Straße Typen mit Fahnen und Waffen herummarschierten. Es ist wohl menschlich, wenn man die Vernunft abschaltet und drohende Gefahren nicht wahrnehmen will. Mich hat auch interessiert, wie der nette Nachbar zum Wächter im Kriegsgefangenenlager, zum Folterknecht oder zum Mörder entarten kann. In solchen schattenhaften Perioden geschieht offenbar irgendetwas, das die Menschen massiv verändert. Einfache, gutherzige Leute können sich ganz schnell in etwas ganz anderes verwandeln.

In fremden Schuhen
Wieder in Bosnien-Herzegowina zu arbeiten und meine Vergangenheit heraufzubeschwören, löste bei mir nostalgische und melancholische Gefühle aus. Tausende Male habe ich mich wohl gefragt: Warum musste das alles geschehen? In der Zeit, in der CIRKUS COLUMBIA spielt, lebte ich in Bosnien. Deshalb stammt mein Wissen aus erster Hand. Die Ereignisse und ihre psychologischen Hintergründe waren mir vertraut. Der Film aber gab mir die Möglichkeit, das Ganze mit den Augen anderer Menschen zu sehen. So sammelte ich wertvolle Einsichten. Das ist nur möglich, wenn Du Deine Füße in fremde Schuhe steckst. Egal, ob er nun aus religiösen, ideologischen oder sonstigen Gründen geführt wird: Wenn man die Gründe für einen Krieg genau betrachtet und analysiert, stößt man stets auf dieselben Wurzeln: Eifersucht, Gier und Angst.

Anlass zu Diskussionen
Meine Filme wenden sich generell gegen Krieg, Gewalt und Nationalismus, doch ich weiß nicht, ob sie wirklich eine einzelne, spezifische Botschaft haben. Sie sind vielschichtiger. Es gefällt mir aber, wenn die Ideen und Gefühle meiner Filme beim Publikum haften bleiben, wenn die Leute noch lange darüber nachdenken. Filme sollten in meinen Augen immer Diskussionen anstoßen, aber ich versuche nicht, irgendeine festgelegte Botschaft hineinzupacken. Ich zeige nur die Welt, wie ich sie sehe.

Die andere Seite
Ich war froh, wieder in meiner Muttersprache arbeiten zu können. Wie in der Hölle (L’Enfer) wurde auf Französisch, Triage auf Englisch gedreht. Ich könnte vermutlich Filme in jeder Sprache machen, aber es war eben toll, auf meine eigene zurückgreifen zu können. Das Gebiet, in dem wir gedreht haben, ist sehr schön. Ich war glücklich, diese Landschaft, die Wälder, die kalten Flüsse neu zu entdecken. Was für eine Freude, wieder dort zu sein – nicht nur, weil CIRKUS COLUMBIA dadurch den richtigen Look bekam, sondern auch, weil ich mit meinen Leuten zusammen war. Dieser Teil der Welt ist irgendwie aus der Zeit gefallen. Unglücklicherweise hat sich vieles verändert – unwiderruflich. Manchmal glaube ich, dass wir alle am Rande eines Abgrunds standen, als der Kommunismus zusammenbrach. Auf der anderen Seite wartete der Rest der Welt und sah uns schweigend zu. Wir mussten springen, haben es aber nicht bis zur anderen Seite geschafft – und wir fallen noch immer.

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Festivalteilnahmen und Auszeichnungen (Auswahl)

Sarajevo Film Festival – Audience Award
Antalya Golden Orange IFF – Best Film Award of the Intern. Feature Competition
Thessaloniki IFF – Fischer Audience Award, Survey Section
tiff. Toronto International Film Festival – Official Selection
Giornate degli Autori – Venice days
58. Festival de San Sebastian

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