Camille - verliebt nochmal!: Presseheft

 
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Ein Film von Noémy Lvovsky

Frankreich 2012

KINOSTART: 15.08.2013
Laufzeit: 115 Minuten

Verleih:
Movienet Film
Rosenheimerstr. 52
81669 München
Tel: 089-489530-51
Fax: 089-489530-56

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Vertrieb:
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Besetzung

Camille Vaillant

  Noémie Lvovsky
Eric
  Samir Guesmi
Josepha
  Judith Chemla
Alice
  India Hair
Louise
  Julia Fouré
Camilles Mutter
  Yolande Moreau
Camilles Vater
  Michel Vuillermoz
Alphonse
  Denis Podalydès
Uhrmacher
  Jean-Pierre Léaud
Französischlehrer
  Mathieu Amalric


Stab

Regie

  Noémie Lvovsky
Drehbuch & Dialoge
  Noémie Lvovsky
  Maud Ameline
  Pierre-Olivier Mattei
  Florence Seyvos
Produzenten
  Jean-Louis Livi (F Comme Film)
  Philippe Carcassonne (Cine @)
Musik
  Gaëtan Roussel
  Joseph Dahan
Schnitt
  Annette Dutertre
  Michel Klochendler
Ton
  Olivier Mauvezin
Szenenbild
  Frédéric Lapierre
Kostüme
  Madeline Fontaine

CAMILLE - VERLIEBT NOCHMAL! ist eine Koproduktion von F Comme Film, Ciné @, Gaumont, France 2 Cinéma. Mit der Beteiligung von Canal +, Ciné + et France Télévisions, unterstützt vom Centre National de la Cinématographie et de l’Image Animée und der Region Ile-de-France.

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Inhalt

KURZINHALT
Camille hat es nicht leicht. Als Schauspielerin bekommt sie nur kleine Rollen und ihr Mann Eric hat sie nach 25 Jahren Ehe verlassen. Die erwachsene Tochter will Silvester nicht mehr mit Mama feiern. Aber Camille lässt sich nicht unterkriegen. Eric geigt sie die Meinung und verreibt gekonnt einen potentiellen Käufer für die immer noch gemeinsame Wohnung. Und auch auf der Silvesterparty ihrer Freundin ist sie keine Frau von Traurigkeit. Nach der rauschenden Partynacht geschieht plötzlich ein Wunder. Camille wacht im Krankenhaus auf und ist zurück in der Vergangenheit. Man schreibt das Jahr 1985 und Camille steht noch ein Mal kurz vor ihrem 16. Geburtstag.

Schnell gewöhnt sie sich an ihre neue Situation und genießt wieder das Leben mit den Freundinnen. Man lästert über die Jungs, nervt die Lehrer, und Camille spielt im Schultheater die Hauptrolle an der Seite von Eric. Sie verliebt sich zum zweiten Mal in ihn, aber sie traut ihrer Liebe nicht.

Doch die Zeit drängt. Camille wird bald 16 und möchte ihre zweite Chance nutzen. Auch schwanger möchte sie auf jeden Fall wieder werden. Nur diesmal weiht sie ihre Mutter ein. Durch ihre frühere Lebenserfahrung gereift, versucht sie das Schicksal zu beeinflussen. Das amüsante, tragikomische Chaos voller Verwirrungen und Irrungen nimmt so seinen Lauf. Und Camille weiß nie, wann und ob sie wieder in der Gegenwart ankommen wird...

PRESSENOTIZ
In Frankreich vom Publikum und der Kritik gefeiert, glänzt Noémie Lvovsky erstmalig in einem ihrer Filme vor und hinter der Kamera. In der charmanten Komödie, die mit 13 Nominierungen zum CÉSAR, dem französischen Filmpreis, gewürdigt wurde, spielt sie eine erfolglose Schauspielerin. Von ihrem Mann verlassen, taucht Camille unversehens wieder in ihrer eigenen Vergangenheit auf. Neben der urkomischen Noémie Lvovsky glänzen in dieser zeitlosen Zeitreise in schrulligen Nebenrollen auch Jean Pierre Léaud, Mathieu Amalric und Yolande Moreau. MOVIENET Filmverleih bringt den Film im August in die deutschen Kinos.

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Die Regisseurin Noémie Lvovsky

In Deutschland kennt man die an der Pariser Filmhochschule „Fémis“ ausgebildete Regisseurin Noémie Lvovsky vor allem als Schauspielerin. Mit Haus der Sünde und Lebwohl meine Köningin kamen 2012 zwei Filme ins Kino, in denen Noémie Lvovsky starke Nebenrollen spielte. Dabei debütierte sie erst 2001 vor der Kamera an der Seite von Charlotte Gainsbourg in Meine Frau die Schauspielerin, in dem der Ehemann von Gainsbourg, der Schauspieler und Regisseur Yvan Attal, Regie führte.
Noémie Lvovsky begann als Drehbuchautorin und arbeitete mit Arnaud Desplechin, Yolande Zauberman und Valéria Bruno Tedeschi. Ihr Regiedebüt gab sie 1994 mit Oublie-moi, in dem Valeria Bruni-Tedeschi die Hauptrolle übernahm. 1998 arbeitete sie zusammen mit Florence Seyvos am TV Film Petites. Noémi Lvovskys zweiter Spielfilm, La vie ne me fait pas peur, erhielt 1999 den Jean Vigo Preis. Danach folgten ihre Filme Les Sentiments (Louis Deluc Preis, 2003) und Faut que ca danse (2007). CAMILLE – VERLIEBT NOCHMAL ist ihr fünfter Kinospielfilm.

FILMOGRAPHIE ALS REGISSEURIN
2012 CAMILLE – VERLIEBT NOCHMAL! (CAMILLE REDOUBLE)
2007 FAUT QUE ÇA DANSE !
2003 LES SENTIMENTS
1999 LA VIE NE ME FAIT PAS PEUR
1998 PETITES – TV FIlm
1994 OUBLIE MOI

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Interview mit der Regisseurin

Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser pikanten Eröffnungsszene? Camille dreht dort in einem Gore-Horrorfilm mit, und der Regisseur meint nur "Sie ist nicht die beste Schauspielerin der Welt, aber das Blut pulsiert bei ihr so schön…"

Ich wollte, dass Camille Schauspielerin ist oder sich an der Schauspielerei versucht. Schon als junges Mädchen hatte sie diesen Traum, die großen und wichtigen Stücke der Klassiker zu spielen. Nun ist sie über 40 und darf statt Texte zu sprechen, nur das Todesröcheln von sich geben. Ich wollte, dass man sieht, wie schwer sie sich abrackert in ihrem Beruf.
Ich persönlich hatte Glück und konnte einen anderen beruflichen Weg gehen als Camille. Ich fing ja mit der Schauspielerei erst sehr spät an, war bereits über 30 und kam eher zufällig dazu. Aber als Kind und Jugendliche träumte ich wie Camille auch davon Schauspielerin zu werden. Als ich zwischen 11 und 15 Jahre alt war, besuchte ich jeden Mittwoch einen Theaterkurs und Sommerkurse. Ich war leidenschaftlich dabei und las mit großer Lernbegierde alle Texte von Musset, Tschechow, Molière, Goldoni… Und dann, mit 15 bei einem Vorsprechen, machte jemand eine Bemerkung darüber, wie ich aussähe. Er meinte, ich sähe zu alt für mein Alter aus und sei außerdem viel zu dick, um all die jungen Heldinnen zu spielen, aber wiederum zu jung für die Rollen der Vertrauten oder Beichtschwestern. Das war so brutal, dass ich sofort mit der Schauspielerei aufhörte.
Vor elf Jahren bereitete Yvan Attal dann seinen Film "Meine Frau, die Schauspielerin" (Ma femme est une actrice) vor und bat mich, seine Schwester zu spielen. Das war das erste Mal, das ich seit meiner Jugend wieder spielte. Yvan hat mir damit ein wunderbares Geschenk gemacht. Heute bin ich immer noch überrascht, wenn man mich für eine Schauspielerin hält. Ich spiele, ich liebe es, aber es ist nicht mein Beruf… Im Gegensatz zu mir hat Camille an ihrem Jugendtraum festgehalten. Als Regisseurin wollte ich sie bei der Arbeit sehen und meinen Film mit Dreharbeiten beginnen. Es machte auch viel Spaß, meine Teamkollegen ihre eigenen Rollen spielen zu lassen. Bis auf Riad Sattouf, der den Regisseur verkörpert, spielen alle sich selbst: vom Kameraassistenten, über den Beleuchter, die Regieassistentin und die Kostümbildnerin. Ich wollte einmal jene ins Rampenlicht rücken, die man nie sieht, die aber immer die Filme machen.

Empfinden Sie eine gewisse Nostalgie im Bezug auf die 80er Jahre, in die Camille so zauberhaft wieder zurück versetzt wird?

Ich glaube nicht. Es gibt gewiss eine Melancholie. Das ist ein Film über den Verlust, aber nicht Nostalgie. Es ist nun einmal so, dass ich damals eine Jugendliche war. So erscheint es mir auch ganz natürlich, dass ich den Film in dieser Zeit ansiedelte. In mir ist kein Bedauern, dafür jedoch eine sehr lebendige und präsente Erinnerung. In der Jugend verfügt man einfach über diese ultraempfindlichen Antennen. Die Nerven sind bis zum Äußersten gespannt. Sein Leben lang bleibt man von dieser Phase des Lebens geprägt, von der Musik, die man hörte, bis hin zu den Menschen, die einen damals begleiteten…
Beim Schreiben, Drehen und Spielen von Camille stellte ich mir immer wieder die Fragen, die mich seit meiner Kindheit verfolgen: Ist es die Zeit, die uns verändert, bis wir zu einem anderen Menschen werden oder gibt es in uns einen Teil, der unbeugsam bleibt? Und existiert dieser Teil unserer Unbeugsamkeit auch in der Freundschaft und der Liebe?

Ist es das Leben, das die Liebe kaputt macht, oder hat die Liebe immer irgendwann ein Ende?" fragt Camille ihre Freundin Josepha, die ihre Therapeutin spielt. Das sind heftige Fragen für die Jugendliche, die Sie waren...

Man stellt sich in diesem Moment diese sehr düsteren Fragen. Und dann vergeht die Zeit, aber die Fragen bleiben. Camille ist über 40 und stellt sie sich immer noch. Sie hätte gewollt, dass die Liebe ewig hält. Sie verlangte nach etwas Absolutem wie die Camille im Theaterstück "Man spielt nicht mit der Liebe" von Alfred de Musset. Aber weil sie immer nur das Absolute will und dazu noch Garantien verlangt, verpasst sie den Mann, den sie liebt und kehrt in ihr inneres Kloster zurück, indem sie nichts riskiert. Ihr Leben endet in Einsamkeit und einer Lüge. Sie vertrocknet. Das ist mir erst im Schnitt klar geworden. Ich glaubte eine Geschichte einer "Wieder-Heirat" erzählt zu haben und entdeckte, dass in der letzten Einstellung im Film Camille alleine bleibt. Alleine, aber friedvoller geworden durch ihre Reise durch die Zeit. Sie hat gelernt, dass die Dinge des Lebens, die Menschen, die Liebe, die Freundschaft vergänglich sind, aber dass dies keine schlechte Sache sein muss.

Die Rekonstruktion der 80er Jahre zeigen Sie nicht als Klischee, Sie vermitteln eher ein Gefühl für die Stimmung und eine gewisse Sorglosigkeit damals...


Es ging mir nicht darum, die 80er Jahre originalgetreu nachzubilden, sondern in das Denken von Camille einzudringen. Man reist in ihre "zweite Vergangenheit". Ich wollte, dass dort die Farben und Formen aus ihrer Vorstellungen und ihren Erinnerungen vorherrschen. So bat ich den Chefkameramann, die Ausstatter und die Kostümbildnerin nach ihrer «Energie» zu suchen, ihrem Elan der Jugend, der sich durch die Erinnerung wieder erfindet.

Waren Sie von Beginn an davon überzeugt, erstmalig in einem ihrer Filme auch die Hauptrolle zu spielen?

Dieser Überzeugung war ich nie. Übrigens bin ich das gar nicht dort auf der Leinwand (lacht). Es war zuerst der Produzent Jean-Louis Livi, der wollte, dass ich Camille spiele. Er legte sehr großen Wert darauf und war sehr einfühlsam. Er bat mich darum, für mich selber vorzuspielen, bevor ich anfinge, mich mit anderen Darstellerinnen zu treffen. Das tat ich... und ich war nicht gut. Aber Jean-Louis blieb hartnäckig. Ich konnte ihm weder zu- noch absagen. Obwohl ich bei den Probeaufnahmen schlecht war, hatte ich viel Spaß beim Spielen. Also schlug er mir vor, noch weitere Probeaufnahmen unter echten Drehbedingungen zu machen, also mit Licht, Kamera, Schminke, Frisur und Kostüm...
Unter diesen Bedingungen vorzuspielen ist sehr selten - das kommt eigentlich niemals vor. Es ist zu teuer. Aber unter Drehbedingungen zu proben, half mir. Es gab mir Energie und eine Intensität. Ich war besser. Und dann sagte Jean-Louis zu mir: "Sie spielen jetzt diese Rolle und dann reden wir nicht mehr darüber. Das wird auch nicht mehr in Frage gestellt". Ich erwiderte nur "einverstanden". Das Glück zu spielen war stärker, aber ich fühlte mich wie im Treibsand: Es war das erste Mal, dass ich einen ganzen Film als Schauspielerin schultern musste. Und dabei noch Regie führen...Ich versuchte, das Ausmaß dieser Aufgabe zu erfassen. Ich umgab mich mit guten Leuten und dann begannen wir mit der Arbeit und den Proben.

Ist das nun eine Form der Genugtuung? Haben sich die Autorin, Filmemacherin und Schauspielerin miteinander "versöhnt"?

Das wirklich Neue und die große Frage war: "Für wen spiele ich?". Wenn ich als Schauspielerin tätig bin, spiele ich für einen Regisseur. Ich gehe dann in seiner Welt auf, in seiner Person. Bei Camille konnte ich nicht für mich selbst spielen. Also nahm ich meine Partnerinnen zu Hilfe und spielte für sie. Und für Jean-Louis Livi, unseren ersten Zuschauer.
Der Leitgedanke des Films besteht ja darin, dass die Hauptfiguren in ihren verschiedenen Altersgruppen dennoch von den selben Schauspielern verkörpert werden...
Hätten dieselben Schauspieler nicht ihre zwei unterschiedlichen Alter spielen können, gäbe es diesen Film nicht von mir. Ich wollte mit "Camille" ja gerade erzählen, dass man in gewissen Momenten des Lebens nicht nur ein einziges Alter, sondern gleichzeitig irgendwie mehrere hat. Nur Schauspieler, die genau diese verschiedenen Alter spielen, konnten das verkörpern.

Hatten Sie an das Risiko gedacht, dass die Schauspieler sich auch der Lächerlichkeit preisgeben könnten? Wie haben Sie versucht, das zu umgehen?


Ich habe generell keine Angst davor, wenn man sich lächerlich macht (lacht). Wenn ich spiele, mag ich es, mich in Situationen wiederzufinden, die hart an der Grenze sind. Ich musste etwas spielen, dem ich mich niemals angenähert hatte: gleichzeitig im Moment zu sein und in der Distanz. Camille hat ja schon ihr Leben gelebt. Es ging darum, eine Bewegung des Ausgleichs zu finden und das manchmal innerhalb einer gleichen Einstellung.

Man hat den Eindruck, dass dieser verzückte Blick, den Camille auf ihre Nächsten wirft, dem ähnelt, den Sie auf ihre Schauspieler werfen...

Auf jeden Fall! Ich schreibe nicht für Schauspieler, weil ich mich für jede meiner Figuren halte. Wenn ich jedoch einem Schauspieler eine Rolle anbiete, möchte ich, dass ihm diese Rolle ähnelt. Ich empfinde viel Liebe und Bewunderung für die Schauspielerei: es ist eine wunderbare Berufung voller Sehnsüchte. Bei mir wird viel geprobt, aber wenn die Dreharbeiten begonnen haben, versuche ich diese Vorbereitungsphase wieder zu vergessen. Ich konzentriere mich auf den Rhythmus, "das Pulsieren" , wie Riad Sattouf es zu Beginn des Films nennt. Dabei lasse ich mich von den Schauspielern entzücken. In gewisser Weise sind sie es, die mich führen und so ein wenig die Ko-Regisseure des Films darstellen.

Es ist eine sehr emotionale Szene wenn Camille die Stimme ihrer Mutter aufnimmt und dann die beider Eltern, wenn sie gemeinsam dieses Chanson von Barbara singen "Une petite cantate". Wie wichtig ist es Ihnen, dass einem die Eltern im Gedächtnis haften bleiben?

Das ist sehr persönlich ebenso wie die Beziehungen zwischen Camille und ihren Freundinnen und zu Eric...Ich kann nicht beim Schreiben oder Regie führen an die Zuschauer denken. Das ist zu abstrakt und führt zu weit. Also denke ich heimlich an einige mir sehr nahestehenden Menschen. Für sie mache ich den Film und auch für die Schauspieler, den Produzenten, das Team. In ihrer zweiten Vergangenheit wagt sich Camille zu ihrer Mutter zu sagen: "Ich liebe Dich und ich habe Glück gehabt". Sie wagt es, ihrem Vater gegenüber liebevoll zu sein. Das hat sie sich während ihrer ersten Vergangenheit nicht getraut. Camille nimmt die Stimme ihrer Eltern auf. Für mich ist die Stimme das, was einen Menschen charakterisiert: sie vibriert, sendet Wellen aus und altert nicht so schnell.

Woher kam der Wunsch, dass Yolande Moreau und Michel Vuillermoz auf der Leinwand die Eltern von Camille verkörpern?

Yolande Moreau ist eine der besten Schauspielerinnen der Welt. Ich liebe sie ebenso wie Anna Magnani, Gena Rowlands oder Meryl Streep. Michel Vuillermoz habe ich viel gesehen, bewundert und gemocht in seinen Filmen mit Bruno Podalydès und im Theater. Und beide sind auch Regisseure wie Denis Podalydès, Mathieu Amalric, Samir Guesmi, Judith Chemla. Ich habe das Gefühl, dass diejenigen Schauspieler, die zusätzlich Regie führen, eine umfassendere Sicht auf das Kino haben. Sie denken filmisch und begleiten alle Aspekte eines Films. Das ist sehr kostbar und spornt mich an.

Nach welchen Kriterien haben Sie Samir Guesmi für die Rolle des Eric und Judith Chmela, India Hair und Julia Faure ausgesucht, die Camilles Freundinnen verkörpern?

Wenn ich mir das Gesicht eines Schauspielers anschaue, einer Schauspielerin, eines Freundes oder einer Passantin auf der Straße, suche ich immer nach dem Gesicht ihrer Kindheit. Samir, India, Judith, Julia, aber auch Yolande und Jean-Pierre Léaud haben sich eine gewisse Jugend bewahrt. Dem kann man nicht widerstehen. Das war vor allem diesmal so wichtig, weil Samir und die Mädchen Jugendliche spielen.
Ich traf auf India Hair während eines Castings und entdeckte eine geniale Schauspielerin. Judith kenne ich bereits seit einigen Jahren. Julia sah ich in " Savage Innocence" von Philippe Garrel und ihre Probeaufnahmen waren großartig. Samir kannte ich ebenfalls aus dem Theater und den Filmen von Bruno Podalydès. Außerdem hatte mich sein schöner Kurzfilm sehr beeindruckt. Die Schauspieler, mit denen ich arbeite, sind alles Leute, mit denen ich gerne Zeit verbringen möchte und dann kann ich mir auch vorstellen, dass man sich anfreundet.

Sie erklären dem Zuschauer nicht, warum Camille in die Vergangenheit zurück kehrt. Damit liegt der Film im Schnittpunkt zwischen Fabel und Realismus...


Mir ist erst beim Schnitt mit Florence Seyvos etwas aufgefallen, dass mir beim Schreiben und beim Drehen nicht bewusst war: Die Gegenwart des Prologs erinnert an einen Alptraum, die des Epilogs an einen Traum. Die wiedererlebte Vergangenheit dagegen ist am Realsten. Ein Freund sagte zu mir, für ihn sei der Film die Geschichte einer Psychoanalyse. Ich glaube ja ganz fest daran, dass ein Film wie ein Scanner für das Gehirn seines Regisseurs funktioniert und einen Teil seines Unbewusstseins in Bildern und Tönen abbildet. Als ich mit Arnaud Desplechin zusammen arbeitete, spielten wir dieses kleine Spiel miteinander. Es ging darum, die Dialogzeilen zu finden, auf Grund derer man den Film machte. Bei Camille wären es die Sätze, die sie zu Alphonse sagt, den Denis Podalydès spielt: "Sie glauben mir nicht. Das ist völlig normal, dass sie mir nicht glauben. Das ist ja auch unmöglich. Aber ich sage ihnen die Wahrheit". Mit dieser Zeitreise erzähle ich von Dingen, die man unmöglich glauben kann. Aber beim Schreiben, Drehen und Spielen versuche ich, die Wahrheit zu sagen.

Warum haben Sie sich das Stück von Goldoni als Vektor der Gefühle ausgesucht?

Ich denke, die aufrichtigsten und tiefsten Gefühle treten niemals so eindeutig auf wie beim Spiel, egal ob es sich um das Spiel eines Schauspielers handelt oder um ein anderes. Wenn man mitten im Spiel ist, wird der Schein immer wichtiger. Im Gegensatz dazu, ermöglicht es einem die Maske, sich zu entblößen. Der Text von Goldoni ist da wunderbar mit all seinen Wortduellen: es geht um das Spiel der Liebe, die an das Spiel erinnert, das man kennt, wenn man jung ist. Was dieses Vorsprechen betrifft, von dem ich eingangs erzählte, als ich 15 Jahre alt war, da spielte ich eine Szene aus Goldonis "Die Verliebten".

Wie haben Sie die begeisterte Aufnahme der Aufführung von CAMILLE REDOUBLE 2012 in Cannes erlebt?


Wir hatten den Film zwei oder drei Tage vor unserer Abreise nach Cannes beendet. Ich konnte nicht im Saal sitzen bleiben, um ihn gemeinsam mit dem Publikum zu sehen. Mein Lampenfieber war zu groß. Als ich zum Filmende wieder zurück in den Saal kam, und der Abspann lief, hörte ich diesen Beifall und die Standing Ovations. Ich war gerührt und noch verwirrt, weil ich nun nach Monaten im Schnitt aus diesem Halbdunkel in einen Zuschauersaal kam. Bruno Podalydès war auch da und sagte mir als Erster seine Meinung zum Film. Er sagte, er fühlte sich wie der Held eines Science Fiction Films, dem man sanft die Hand in das Herz hinein stößt, ohne jeglichen Schmerz. Seine Meinung bedeutet mir viel, ich war glücklich. Ich wünsche mir, dass der Film Lust erweckt, sich Menschen anzusehen, und der dabei ihre Existenz und Sterblichkeit fühlbar werden lässt.

Samir Guesmi meinte, er würde lieber für den Augenblick leben und glaubt, es gäbe nicht nur eine zweite Chance, sondern gleich mehrere...

Ja es gibt soviel Möglichkeiten, neue Chancen...Sie werden uns angeboten oder auch nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob es mir gelingt, ganz in der gegenwärtigen Zeit zu leben. Ich versuche nur für Menschen da zu sein, an und für sie zu denken. Diese Gedanken umfassen auch die Vergangenheit und die Zukunft. Das ist ebenso Schwindel erregend, beunruhigend und komisch, und man spürt, wie sehr das Leben schwankt.

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